DIE SIEDLUNG- VORWORT

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als die Maoams in den Hosentaschen klebten, als eure Hosen mehr grüne Grasflecken hatten als blaue Jeansfarbe? Als das Bällchen Eis 20 Pfennige kostete und morgens das Milchauto die Straße entlang fuhr? Ja, das könnt ihr? Dann seid ihr dort, wo meine Geschichten von der Siedlung spielen, in den 80ger Jahren.
Die Siedlung war eine neue Straße in einem alten Dorf am Rande der Westpfalz. Nicht alle Bauplätze waren bebaut, es gab jede Menge Spielplatz- ganz ohne Spielgeräte, unsere Spielgerät war unsere Fantasie. Wir, das waren Erik, den alle Grinsi nannten und sein Bruder Markus, der mal das Zahnwasser seiner Oma getrunken hatte und deswegen Blendax genannt wurde. Wir, das waren auch die Kinder der Familie Mika, Chrissi- die Tapfere, Marcel, der Kleinste und Sabine, die älteste der Mika-Bande, die sich immer um alles und jeden kümmerte. Besonders ihr Gerechtigkeitssinn war ausgeprägt und sie zauderte auch nicht, den Jungs mal eine zu donnern. Immer dabei war auch mein Cousin Alex, der zwar nur zwei Monate jünger, aber gefühlte 50 cm kleiner als ich geraten war.


Wir wohnten zur Miete, etwa 50 Meter von meiner Großmutter entfernt. Ihr Haus war das Zentrum der Straße, es war der Treffpunkt der Nachbarschaft. Das Gasthaus war mein zweites Zuhause, mit Oma, Opa und all den mehr oder weniger skurrilen Gästen.


Die Siedlung begann am Ende des Homburger Weges und führte den Berg hinauf, vorbei an vielen Häusern, Omas Kneipe, unserer Wohnung, dem BrachGrundstück, das unser Bolzplatz war, der Einmündung Elisabethenstraße, der alten Grabsteinmacherei bis hinauf in den älteren Teil unserer Straße, dessen Mittelpunkt Frau Langs alter Tante-Emma-Laden bildete. Direkt nebenan wohnte mein Cousin- nach rechts verlief die Straße, vorbei an der großen Tanne, der Einmündung zum Pfarrwäldchen und dem Stegwoogerweg, bis nach ein paar weiteren Metern auf der linken Seite das alte Schulhaus stand und die örtliche Polizeistation ihr Quartier bezogen hatte. Die Herzogstraße fand ihr Ende, dort, wo es sich heute noch befindet- zwischen dem Gasthaus Schleppi rechts und einem Bauernhof links mündet sie in die Hauptstraße- nur finden heute keine waghalsigen Abbiegemanöver mehr statt- eine Ampel regelt den Verkehr. Vieles hat sich verändert in meiner alten Straße.

Einiges ist neu hinzu gekommen, anderes- wie die große Tanne- ist verschwunden. Nun sind wir Kinder von damals erwachsen und es fällt manchmal schwer sich an jedes Detail unserer aufregenden Kindheit in unserem kleinen Dorf zurück zu erinnern. Damit diese Zeit nicht vergessen wird, schreibe ich meine Geschichten. Keiner in meinen Geschichten heißt so wie im echten Leben, bei manchem ist vielleicht meine Erinnerung getrübt, aber das Meiste war genau so- am Amizaun, in der Siedlung, am Rande der Westpfalz, in Kübelberg.

Veröffentlicht von Nadine Becker

Seit vielen Jahren lebe ich in der deutsch-französischen Grenzregion, in der wunderbaren Kleinstadt Sarreguemines. Mein Leben ist franco-allemand.

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